Ein Besucher spricht mit einem Vertreter am LG U+-Stand auf dem MWC 2026, der Fortschritte in KI und Sprachtelefonie präsentiert.

MWC 2026: Das KI-Update, das Sprachanrufe für immer verändert

Mobilfunknetzbetreiber stellten diese Woche auf dem Mobile World Congress 2026 in Barcelona KI-gestützte Sprachassistenten und Betrugserkennungssysteme vor und unterstrichen damit ihre Ambitionen, direkt mit den Big-Tech-Giganten zu konkurrieren. LG Uplus-CEO Hong Beom-sik präsentierte ixi-O, einen KI-Sprachassistenten zur Bekämpfung betrügerischer Anrufe, während der Anbieter Mavenir anpassbare Plattformen für Sprachassistenten zeigte, mit denen Betreiber die Kontrolle über das Kundenerlebnis zurückgewinnen können.

Der Wandel der Telekommunikationsbranche hin zu künstlicher Intelligenz markiert eine strategische Neuausrichtung, um der Dominanz von Google, Apple und anderen Tech-Plattformen, die zunehmend die Kundenschnittstelle kontrollieren, entgegenzuwirken. Diese KI-Integrationen auf Netzwerkebene versprechen Fähigkeiten, die app-basierte Dienste nicht bieten können, da sie direkten Zugriff auf die Anrufinfrastruktur und Signalisierungsdaten nutzen.

In seiner Keynote mit dem Titel „Humanizing Every Connection“ bezeichnete Hong Beom-sik laut Telecompaper den ixi-O Sprachassistenten als essenziell für die Zukunft der Sprachkommunikation. Der KI-Agent wird direkt in den Anrufprozess integriert, um Betrugsversuche abzuwehren und das Kundenerlebnis nahtloser zu gestalten. Das Unternehmen nannte während der Veranstaltung jedoch weder konkrete technische Details noch einen Termin für die kommerzielle Markteinführung.

Mavenir präsentierte konkretere Demos seiner auf Betreiber ausgerichteten KI-Lösungen. Das AI Agent Studio des Unternehmens ermöglicht es Firmen und Privatpersonen, über eine No-Code-Plattform benutzerdefinierte Sprachassistenten zu erstellen, wie auf Mavenirs Website erläutert wird. Während der Demonstration sahen die Anwesenden, wie ein Benutzer einen Assistenten mittels natürlicher Sprachbefehle über einen Telefonanruf entwarf und Funktionen wie Terminbuchung und Zahlungsabwicklung definierte. Das System aktivierte den Agenten umgehend für eine Echtzeit-Interaktion.

Betrugserkennung rückt in den Mittelpunkt

Das Betrugserkennungssystem Call Shield des Anbieters zeigte besonders fortschrittliche Fähigkeiten. Die Technologie nutzt maschinelles Lernen zur Analyse von Signalisierungsmetadaten; bei Nutzern, die zustimmen, analysiert sie zudem die ersten 20-30 Sekunden verdächtiger Anrufe. Das System führt eine Sentiment-Analyse durch, um betrügerische Absichten zu erkennen, und kann bedrohliche Anrufe automatisch beenden, um die Abonnenten vor Betrug zu schützen.

Die Betreiber positionieren diese Dienste als Teil ihrer umfassenden Transformation vom Telekommunikations- zum Technologieunternehmen. Die Monetarisierungsstrategien umfassen die Bündelung von KI-Funktionen mit bestehenden Mobilfunktarifen sowie das Angebot von Premium-Zusatzdiensten. Die Entwicklung von Enterprise-APIs stellt eine besonders wichtige Chance dar, Unternehmen den Aufbau von Diensten auf den KI-gestützten Netzen der Betreiber zu ermöglichen.

Europäische Betreiber betonten ihr Engagement für DSGVO-Konformität und lokale Datenhaltung, was sie von globalen Tech-Plattformen unterscheidet. Deutsche Telekom kündigte Pläne zur Entwicklung von Schutzmaßnahmen für den Einsatz von KI-Agenten an und unterstrich damit den proaktiven Ansatz der Branche für eine verantwortungsvolle KI-Implementierung.

Das Fehlen technischer Spezifikationen und Leistungskennzahlen auf der Veranstaltung wirft jedoch Fragen zu den tatsächlichen Fähigkeiten dieser Dienste auf. Keiner der Betreiber gab Details zur KI-Architektur preis – etwa ob Lösungen On-Premise oder in der Cloud laufen oder welche Large Language Models ihre Systeme antreiben. Leistungsdaten wie die Genauigkeit der Betrugserkennung und die Reaktionszeiten der Sprachassistenten bleiben unbekannt, was eine Beurteilung der Funktionsweise unter realen Bedingungen erschwert.

Sources

  • Telecompaper
  • Mavenir