Empfangsbereich des Mistral-AI-Büros mit einladender Atmosphäre, einem hölzernen Empfangstresen und interagierenden Mitarbeitenden.

Mistral AI enthüllt Abgabepläne für europäische Kulturschaffende

Mistral-AI-CEO Arthur Mensch hat eine verpflichtende Abgabe von 1 % bis 1,5 % auf die europäischen Umsätze von KI-Unternehmen vorgeschlagen, um Kulturschaffende zu vergüten, deren Inhalte zum Training von KI-Modellen genutzt werden. Diese Abgabe würde für sämtliche Unternehmen gelten, welche KI in der EU vermarkten, einschließlich OpenAI, Google und Microsoft, und könnte jährlich Hunderte Millionen Euro für einen zentralen europäischen Fonds zur Unterstützung der kreativen Branchen generieren.

Der Vorstoß des französischen KI-Startups stützt sich auf bestehende europäische Rechtsrahmen, insbesondere das im Rahmen der EU-Richtlinie von 2001 über die Informationsgesellschaft eingeführte System der Privatkopieabgabe. Dieser Präzedenzfall erlaubt es den Mitgliedstaaten laut einer juristischen Analyse von JIPITEC, Abgaben auf Geräte wie Smartphones und Festplatten zu erheben, um Rechteinhaber zu vergüten.


Gemäß Menschs Rahmenkonzept würden die eingenommenen Gelder in einen zentralen europäischen Fonds fließen, welcher in die Erschaffung neuer kultureller Inhalte investiert und die vielfältigen Kulturbranchen des Kontinents fördert. Der Entwurf empfiehlt laut IO+ die Umsetzung per EU-Richtlinie oder -Verordnung, um eine einheitliche Anwendung in allen Mitgliedstaaten sicherzustellen.

Finanzielle Auswirkungen auf Tech-Giganten

Diese Abgabe würde für große KI-Anbieter, welche in Europa aktiv sind, beträchtliche neue Kosten verursachen. Konzerne wie OpenAI, Google, Microsoft, Anthropic, Meta und Amazon Web Services müssten erhebliche jährliche Zahlungen auf Basis ihrer europäischen KI-bezogenen Umsätze leisten.


Auch wenn Konzerne selten regionsspezifische KI-Umsätze ausweisen, verdeutlichen beispielhafte Berechnungen die mögliche Größenordnung. Ein großer KI-Anbieter mit 5 Milliarden € europäischem KI-Umsatz würde bei den veranschlagten Sätzen jährlich zwischen 50 Millionen € und 75 Millionen € beisteuern. Bei 20 Milliarden € Umsatz lägen die Zahlungen bei 200 Millionen € bis 300 Millionen € pro Jahr.


Zum Vergleich: Der europäische Cloud-Anbieter OVHcloud überschritt 2025 laut Holori 1 Milliarde € Jahresumsatz, was darauf hindeutet, dass große internationale KI-Konzerne aus ihren europäischen Geschäften mutmaßlich signifikant höhere Summen erwirtschaften.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Gruppe von drei Fachleuten, die während einer Sitzung an einem Tisch Dokumente und Strategien erörtern.

Dieser Vorstoß erfordert eine präzise Definition dessen, was als KI-bezogener Umsatz gilt, inklusive Erlösen aus API-Zugriffen und Enterprise-Lizenzen. Einzug und Ausschüttung würden voraussichtlich Verwertungsgesellschaften übernehmen, welche bereits europaweit die Vergütungen für Privatkopien verwalten, berichtet CISAC.


Zu den zentralen offenen Fragen zählen der Aufbau einer transparenten Governance für den geplanten Fonds sowie die Bewertung potenzieller Auswirkungen auf die KI-Innovation innerhalb der EU. Die politische Machbarkeit hängt davon ab, die Interessen der Tech-Branche mit den Bedürfnissen des Kultursektors in Einklang zu bringen.


Bei Umsetzung könnte diese Abgabe einen globalen Präzedenzfall für den Umgang mit der wirtschaftlichen Beziehung zwischen KI-Entwicklern und Kulturschaffenden schaffen, deren Werke diese Systeme trainieren, und somit einen wegweisenden regulatorischen Moment für KI in Europa markieren.

Sources

  • ioplus.nl
  • jipitec.eu
  • cisac.org/Newsroom
  • holori.com