Google hat seine Suchergebnisse für Reise- und Hotelanfragen in ganz Europa überarbeitet, um die EU-Verordnung über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) einzuhalten, und ersetzt eigene Dienste durch Links zu Konkurrenten wie Booking.com und Skyscanner. Die Europäische Kommission hat im März 2024 eine formelle Untersuchung eingeleitet und vermutet, dass die Änderungen weiterhin gegen Kartellvorschriften verstoßen, die Bußgelder von bis zu 10% des weltweiten Umsatzes nach sich ziehen könnten.
Die weitreichenden Änderungen betreffen Anfragen wie „Hotels in Berlin“ oder „Flüge nach Paris“, bei denen Google zuvor eigene integrierte Sucheinheiten angezeigt hatte. Statt der gewohnten funktionsreichen vertikalen Suchergebnisse sehen Benutzer nun Aggregator-Einheiten, die Links zu Drittanbieter-Vergleichsportalen anzeigen, darunter Tripadvisor neben den bereits genannten Plattformen, wie Google Blog und TechCrunch berichten.
Am oberen Rand der Suchergebnisseiten hat Google Filter-Chips eingefügt, die Benutzer zu dedizierten Seiten führen, welche konkurrierende Dienste aggregieren, statt zu von Google betriebenen Verticals; so berichtete TechCrunch. In einem vorübergehenden Test in Deutschland, Belgien und Estland ging das Unternehmen noch einen Schritt weiter, indem integrierte Funktionen aus der Hotelsuche entfernt wurden, einschließlich Karten, die Hotelstandorte anzeigen, sowie detaillierte Informationen zu den Unterkünften, was zu einem schlichteren Format von „zehn blauen Links“ führte, so Search Engine Roundtable.
Widerstand der Branche
Der Reisesektor hat scharfe Kritik geübt. Eine Koalition namens eu travel tech, zu der Airbnb, Booking.com und Expedia gehören, bezeichnete Googles Vorschläge als unzureichend, berichtete TechCrunch. Die Online-Reiseagentur eDreams Odigeo argumentierte, dass das neue Layout mit seinem umfangreichen Inhalt und Filteroptionen effektiv eine Meta-Suchmaschine nachahme, was möglicherweise dazu führt, Nutzer länger auf Googles Ergebnisseite zu halten und Google Search selbst zu einem direkten Konkurrenten der Vergleichsportale zu machen, die nun aufgeführt werden müssen.
Die Europäische Kommission zielt in der Untersuchung explizit auf Googles potenziellen Verstoß gegen Artikel 6(5) des DMA ab. Die Kommission erklärte, sie vermute, dass Googles Lösungen „nicht vollständig mit dem DMA übereinstimmen“, was zu einem regulatorischen Schlagabtausch mit hohem Einsatz führen könnte, der bis zu 12 Monate bis zur Klärung dauern könnte.
Marktauswirkungen
Google hat anerkannt, dass seine Compliance-Bemühungen „schwierige Abwägungen“ beinhalten und dass die Änderungen letztendlich „mehr Traffic zu großen Zwischenhändlern und Aggregatoren und weniger Traffic zu direkten Anbietern wie Hotels, Fluggesellschaften, Händlern und Restaurants“ lenken könnten, laut Google Blog. Diese Einsicht offenbart die komplexen Marktdynamiken, die Europas digitale Wirtschaft umformen.
Im Falle eines Verstoßes drohen dem Unternehmen Strafen von bis zu 20% des weltweiten Gesamtjahresumsatzes für wiederholte Zuwiderhandlungen. Das Ergebnis wird einen wesentlichen Präzedenzfall dafür schaffen, wie dominante Plattformen faire Wettbewerbsbedingungen sicherstellen müssen, was Google möglicherweise dazu zwingen könnte, weitere drastische Veränderungen umzusetzen, die eines seiner Kern-Geschäftsmodelle in Europa grundlegend wandeln.
Sources
- Europäische Kommission
- TechCrunch
- Google Blog
- Search Engine Roundtable

