Der Turing-Award-Preisträger Yann LeCun hat AMI Labs mitbegründet, ein neues Unternehmen für künstliche Intelligenz, das sich eine Finanzierung von 850 Mio. € gesichert hat, um „world models“ zu entwickeln (KI-Systeme, die darauf ausgelegt sind, physische Realität zu verstehen und vorherzusagen, statt Text zu generieren). Das forschungsorientierte Startup, zu dem Spitzenkräfte von Meta und führenden Universitäten gehören, will die Dominanz von Large Language Models durch einen nach eigener Aussage völlig neuartigen Weg zur fortgeschrittenen KI herausfordern.
Das in Paris ansässige Startup agiert als „Frontier Lab“ und positioniert sich damit laut La Tribune neben anderen forschungsintensiven Organisationen, die wissenschaftliche Durchbrüche über eine sofortige Kommerzialisierung stellen. Die 850 Mio. € umfassende Kapitalausstattung des Unternehmens finanziert das, was die Gründer als eine grundlegende Neuerfindung der KI-Architektur beschreiben: weg von Systemen, die Textsequenzen vorhersagen, hin zu solchen, die physische Realität simulieren und daraus schlussfolgern können.
Im Zentrum des Ansatzes von AMI Labs stehen „world models“, die das Unternehmen als KI-Systeme definiert, welche Repräsentationen der physischen Welt simulieren können, um die Folgen von Handlungen vorherzusagen. Diese Methodik zielt darauf ab, aus LeCuns Perspektive gravierende Schwächen der derzeitigen Large Language Models auszuräumen, insbesondere deren Neigung zu Halluzinationen sowie deren Unfähigkeit, Ursache und Wirkung tatsächlich zu begreifen, berichtete La Tribune.
Herausragendes Führungsteam

Neben LeCun, der als Executive Chairman fungiert, hat das Startup Alexandre LeBrun als CEO gewonnen, einen früheren Kollegen aus Metas FAIR-Team und Mitgründer des Medizin-KI-Unternehmens Nabla. Zur wissenschaftlichen Leitung zählen Saining Xie, Informatikprofessor an der New York University, als Chief Science Officer, sowie Michael Rabbat, ein weiterer Meta-Veteran, der die Entwicklung der world models leitet.
Das Team ergänzen zudem Laurent Solly, ehemals Vice President Europe bei Meta, als Chief Operating Officer, sowie Pascale Fung, Professorin für Engineering an der Hong Kong University of Science and Technology, als Chief Research and Innovation Officer, berichtet La Tribune.
Den Status quo der KI herausfordern
AMI Labs weist die vorherrschende Annahme ausdrücklich zurück, dass das Skalieren von Large Language Models zu Artificial General Intelligence führt. Stattdessen setzt das Unternehmen darauf, dass das Begreifen und Vorhersagen physischer Realität, nicht das Generieren von Text, den vielversprechenderen Weg nach vorne darstellt, berichtete La Tribune.
Das Startup hat momentan kein kommerzielles Produkt sowie keine angekündigte Monetisierungsstrategie und fokussiert sich komplett auf Grundlagenforschung. Dieser langfristige Ansatz gleicht dem anderer Frontier Labs, die signifikante Investitionen auf der Basis ambitionierter Visionen und nicht aufgrund unmittelbarer Renditen eingeworben haben.
Während Wettbewerber wie OpenAI, DeepMind und Mistral weiterhin LLM-Architekturen optimieren, entwickelt AMI Labs laut eigenen Angaben eine komplett neuartige Kategorie von KI. Der Erfolg dieses konträren Ansatzes könnte alternative Wege zu AGI bestätigen und die Wettbewerbslandschaft der KI-Entwicklung potenziell neu ordnen.
Sources
- https://www.latribune.fr

